Irgendwo ins grüne MeerHelgoland ist einzigartig. Es gibt viele Inseln in der Nordsee und an der deutschen Nordseeküste, aber keine ist vergleichbar mit der einzigen Hochseeinsel Deutschlands. Der mächtige, rote Buntsandsteinfelsen mit grünem Land hebt sich rund 70km vom Festland entfernt aus dem Wasser. Das vom nahen Golfstrom begünstigte, milde Klima ermöglicht eine einmalige Flora und Fauna. Für die anreisenden Touristen ist Helgoland ein Natur- und ein Kulturdenkmal zugleich. Die Insel war Zankapfel zwischen dem deutschen und britischen Reich, hier dichtete Hoffmann von Fallersleben 1841 den Text zur heutigen Nationalhymne, hier dauerte der Zweite Weltkrieg länger als nirgendwo sonst. Für den Naturliebhaber bietet die Insel eine einzigartige Vogelwelt und am Strand der Düne haben Seehunde und Kegelrobben ihre Scheu gegenüber Menschen weitgehend abgelegt. Für den hektischen Festlandsbewohner bietet die Insel Ruhe und Erholung „off the beaten track“. Für James Krüss, den berühmtesten Sohn der Insel, war sie ein Kleinod zu der er sich zeitlebens verbunden fühlte. Ist Helgoland auch einzigartig was die Lebensweise seiner Bewohner angeht? Unterscheidet sich der Lebensstil der Insulaner entscheidend von denjenigen auf dem Festland? Ist der ökologische Fußabdruck höher oder niedriger als anderswo in Deutschland?
Die allgemeinen Diskussionen über den globalen Klimawandel und das nachhaltige Wirtschaften auf der Erde erklären den CO2 Ausstoß und den Ressourcenverbrauch unterschiedlicher Gesellschaften zu zentralen Problembereichen des anthropogenen Einflusses. Es wird diskutiert, wie und wie viel einzelne Gesellschaften mit welchem Ressourcen- und Energie-Verbrauch die Erde als Ganzes belasten. Inzwischen liegen unterschiedliche Ansätze vor, diesen Einfluss zu bestimmen oder zu berechnen. Bereits 1996 wurde von Mathis Wackernagel und William E. Rees das Prinzip des „ökologischen Fußabdrucks“ eingeführt: Our Ecological Footprint – Reducing Human Impact on the Earth. Dies ist ein methodischer Ansatz zur Analyse der aufgebrachten Erdressourcen pro Gesellschaft. Konkrete regional spezifische Studien jedoch fehlen bislang weitgehend.
Ein Studienprojekt am Geographischen Institut der Universität Hamburg widmete sich der Berechnung des ökologischen Fußabdrucks der Hochseeinsel Helgoland. Am Beispiel der Inselgesellschaft von Helgoland wurde eine empirisch untermauerte Berechnung des Ressourcenverbrauchs und damit eine Annäherung an die zum eigenen Lebensstil benötigte Fläche errechnet. Dazu wurden geographische Datenerhebungsmethoden (Statistische Analyse, Kartierung, Befragung, Interview) eingesetzt, Datenanalysen durchgeführt und eine gemeinsame Datenpräsentation angefertigt. Die Ergebnisse der Projektstudie finden Sie auf den folgenden Seiten.
Am Studienprojekt beteiligt waren Martin Blochel, Günther Bock, Simon Brinkrolf, Janine Dicks, Arne Ehler, Engelbert Feleki-Dengel, Christoph Grote, Claudia Hertel, Kristin Kellner, Jan Petzold, Nadine Pommer, Christin Reinhardt, Jan Schmilewski, Almut Siewert, Marc Stahl und Sandra Wagner, angeleitet durch Prof. Dr. Beate M.W. Ratter.
Wir möchten uns an dieser Stelle bei der sehr offenen und hilfsbereiten, teilweise vielleicht auch skeptischen, Bevölkerung der Insel recht herzlich für ihre Teilnahme an den Befragungen bedanken. Beim Bürgermeister Frank Botter möchten wir uns besonders bedanken, für sein Interesse und seine Unterstützung bei unserem Projekt.
Wir hoffen, dass die Auswertung nicht nur bei den Helgoländern auf Interesse stößt und vielleicht zum Nachdenken anregen kann.