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Die Helgoländer Wirtschaftsstruktur nimmt nahezu eine Monostruktur ein. Alle wichtigen Wirtschaftszweige sind dem Dienstleistungssektor zuzuordnen, der 93% der Wirtschaft einnimmt. Dieser Sektor besteht aus der Wissenschaft, der Verwaltung und dem Tourismus. Der Tourismus umfasst den größten Anteil und setzt sich aus den Bereichen der Hotels und Pensionen, des Duty-Free-Geschäfts, der Freizeitaktivitäten und der Gastronomie zusammen. Die restlichen Wirtschaftssektoren umfassen mit 7% einen sehr geringen Anteil. Hierunter fällt auch die Fischerei. Die Grafik (Abb.7) verdeutlicht die ungleiche Verteilung. Während der Primärsektor, jener der die Rohstoffe für ein Produkt liefert, nur 1% ausmacht, beträgt der Anteil am Sekundärsektor, also die Verarbeitung von Rohstoffen, 6%. Der dritte Sektor, auch Tertiärsektor genannt, macht einen Anteil von 93% aus.

Wirtschaftsstruktur
Abb. 7: Wirtschaftsstruktur nach Sektoren
(Quelle: eigene Darstellung)

Die wirtschaftlichen Umsätze auf der Insel betrugen im Jahr 2007 80 Mio. €, wobei das Krankenhaus hier nicht mit eingerechnet wurde. Es teilt sich wie folgt auf:

Umsaetze
Abb. 8: Umsätze nach Wirtschaftszweig
(Quelle: eigene Darstellung)

Verwaltung:
Der Bürgermeister von Helgoland, Frank Botter, ist Vollzeit-Bürgermeister. Ihm stehen 15 Mio. € Verwaltungshaushalt zur Verfügung. Die meisten Investitionen sind Baumaßnahmen an Wasserbauwerken, Straßen, Infrastruktur und am Kurbetrieb.

aufteilung
Abb. 9: Öffentliche Investitionen (in Mio.)
(Quelle: eigene Darstellung)

Der Haushalt besteht aus öffentlichen Abgaben, wie die Grundsteuer, Gewerbesteuer und die Kommunale Sondersteuer (Gemeindeeinfuhrsteuer). Steuerrechtlich befindet sich Helgoland nicht in Europa und bezahlt somit keine Mehrwertsteuer auf gewisse Warengruppen. Hierunter fallen Tabak, Spirituosen, Kaffee, Bier etc.

Seit 1956 ist Helgoland eine Kommune. Eine Insel bekommt das Kommunenrecht ab einer Einwohnerzahl von über 500 Einwohnern. Diese Voraussetzung wird von Helgoland erfüllt. Somit gilt auf Helgoland der Paragraph 11 mit seinem Zusatz "Der Haushalt der Gemeinde Helgoland ist auszugleichen". Wenn die Insel nicht das erwirtschaftet, was sie zur Aufrechterhaltung des Insellebens benötigt, so muss das Land Schleswig-Holstein hierfür aufkommen.

Auf der Insel gibt es einen Gemeinderat, der sich aus 13 Gemeinderäten aus 5 Fraktionen zusammensetzt. Seit der letzten Wahl vom 25.05.2008 verteilt sich dieser Gemeinderat auf vier Sitze für die SPD (27%), drei für die FDP (23,5%), zwei für die CDU (18,5%), zwei für die Linke (16,1%) und zwei für die Interessengemeinschaft Halunder Moats (14,1%), kurz IHM (vgl. helgoland.de).

Bevölkerung:
Auf Helgoland leben zurzeit 1.545 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 330 Einwohnern pro km². Die Hotelbesitzer sind jedoch häufig keine auf Helgoland gemeldeten Helgoländer, weil sie weniger als 181 Tage auf der Insel anwesend sind. Sie haben ihren Hauptwohnsitz meistens auf dem Festland.

Die Stadtverwaltung:
Die Stadtverwaltung setzt sich aus der Gemeinde- und Kurverwaltung zusammen. Insgesamt beschäftigen sie 73 Personen. Davon arbeiten in der Gemeindeverwaltung 32,5 Beschäftigte, von denen 6 Arbeiter, 23 Angestellte und 3 Beamte sind. Hier schon zu gerechnet sind die Gerätewarte, die Feuerwehr, die Schulsekretärin, die Gärtner in den Park- und Gartenanlagen sowie der Schulhausmeister. Die übrigen 40,5 Beschäftigten finden in der Kurverwaltung ihre Aufgaben, von ihnen sind 18,5 saisonale Kräfte und der Rest sind Angestellte.

Fuhrpark Gemeinde:
Die Dampferbörde, die Fährboote, die Gäste von den großen Schiffen an Land zu bringen haben, besteht aus insgesamt 21 Mitarbeitern, 8 von ihnen sind ganzjährig fest eingestellt, 13 nur saisonal. Zum Ausbooten braucht man 4 Personen am Bördeboot.

Schule:
Die Schule auf Helgoland wird von der Gemeinde getragen und stellt Gebäude, Hausmeister und Schulsekretärin. An der Schule gibt es 11 Lehrer, die vom Land Schleswig-Holstein bezahlt werden. Sie kümmern sich um 98 Schüler, die in Doppelklassen 1+2, 3+4, Haupt- und Realschule unterrichtet werden. Nach Abschluss der zehnten Klasse gehen viele Schüler in ein Internat auf dem Festland, um dort ihr Abitur zu machen.

Kindergarten:
Auf der Insel gibt es einen evangelischen Kindergarten, der mit 10% von der Gemeinde unterstützt wird. Hier zuständig sind 6 Personen inklusive der Reinigungskraft. Sie betreuen zurzeit 53 Kinder.

Bundeswehr:
Die Bundeswehr besitzt auf Helgoland eine Standortverwaltung mit 3 Mitarbeitern und einem Soldaten. Am Hafen befindet sich ein Landeplatz für den Rettungshubschrauber (Search and Rescue Hubschrauber, SAR).

Zoll:
Der Zoll hat 5 Mitarbeiter, von denen 4 fest angestellt sind und einer nur saisonal.

Tourismus:
Der Tourismus ist, wie oben schon erwähnt, der größte Wirtschaftszweig auf Helgoland und daher überall auf der Insel präsent. Seien es die Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, die kleinen Restaurants, die vielen Duty-Free-Geschäfte und andere Freizeitattraktionen – sie alle tragen ihren Teil zur Wirtschaft bei.

Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen:
Die Insel bietet mit ihren vielen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen zahlreiche Übernachtungs- und Urlaubsmöglichkeiten. Die Auslastungsrate der Hotels schwankt während des Jahres. Die Hauptsaison liegt zwischen Mai und Oktober. Hier liegt die Auslastung bei 70-80%, in den stärksten Monaten sogar bei 85-90%. Im Winter dagegen ist sie so gering, das sie auf das ganze Jahr gesehen bei 30% liegt. Die Fixkosten sind hoch, denn die ganze Infrastruktur muss für die Spitzen¬belastung der Insel ausgelegt sein.

Die Unterkünfte haben hohe Unterhaltskosten. Nicht nur die hohen Wasserpreise, sondern auch die derzeit noch hohen Strompreise, sorgen für diese hohen Kosten. Exemplarisch betrachten wir eine kleine Pension auf Helgoland: Die Pension besteht aus 4 Apartments mit je 35 m² Wohnfläche. Hier werden mehr als 5.000 € im Jahr für Energie ausgegeben. Sie setzen sich aus den Wasserkosten (200m³), den Energiekosten (Strom 4.013 kW/h, Wärme 33 mW/h) und den Abwasserkosten zusammen. Rechnet man die Kosten um in den Verbrauch pro m² Wohnfläche, erhält man einen Wasserverbrauch von 1,43 m³, einen Stromverbrauch von 28,66 kW/h, sowie einen Wärmeverbrauch von 235,72 kW/h. Im Vergleich hierzu ein Schweizer Durchschnittshotel: Hier beträgt der Wärmebedarf pro m² Wohnfläche 201 kW/h. Dies verdeutlicht, dass die Energie- und Wasserkosten auf Helgoland vergleichsweise hoch liegen und die Pensionsbesitzer mit diesen hohen Kosten auf Helgoland zu kalkulieren haben.

Mit den hohen Kosten haben aber nicht nur die Hotels und die Ferienwohnungs- und Pensionsvermieter zu kämpfen, sondern auch die restliche Bevölkerung. Von ihnen erfuhren wir, dass es in vielen Familien üblich ist, dass sie während der Saison ihre Wohnung oder Zimmer zur Vermietung freistellen, um mehr Einnahmen zu erhalten. In dieser Zeit wohnen sie in ihren Kellern oder auf kleinerem Raum zusammen. Des Weiteren ist es üblich, dass während der Vater eine Ganzjahrestätigkeit ausübt, die Mutter saisonal dazuverdient. In manchen Fällen kann es sogar vorkommen, dass der Vater auf dem Festland angestellt ist und die Mutter allein auf der Insel zurück bleibt, um sich um die Pension zu kümmern.

Gastronomie
Neben den Hotels und Pensionen stellt die Gastronomie einen weiteren wichtigen Pfeiler des Tourismus dar. Auch sie haben einen hohen Energieverbrauch. In Abhängigkeit von der Gastronomieform können Unterschiede bezüglich des Energieverbrauchs festgestellt werden. Aus den Gesprächen mit Gastronomen konnten wir Informationen sammeln, die wir für den folgenden Vergleich benutzen können: Ein durchschnittlich kleiner Betrieb, der 30m² groß ist und Getränke und Speisen anbietet, verbraucht monatlich im Durchschnitt 1.568 KWh. Im Vergleich dazu ist ein doppelt so großer Betrieb, der sich nur auf den Ausschank von Getränken beschränkt, mit einem viel geringeren Energieverbrauch zu verbuchen; in diesem Fall 552,5 KWh monatlich. Einer der größten gastronomischen Betriebe, mit einer Fläche von 120m² und einem vielfältigen Angebot an Speisen, die aufwendig zubereitet werden, hat einen Energieverbrauch von 7,75 MWh monatlich. Somit ist es schwierig, einen realen durchschnittlichen Energiewert für den Vergleich der Helgoländer Gastronomie zu ermitteln.

Einige Betriebe werden hauptsächlich von Einheimischen besucht, andere Betriebe weisen ein hohes touristisches Potential auf und darüber hinaus gibt es zahlreiche Mischformen. Durch die unterschiedliche Zielgruppenorientierung entsteht ein unterschiedliches Ausschank- und Verzehrverhalten, das wiederum nicht für Vergleiche herangezogen werden kann. So liegt das Verbrauchsspektrum bei Bier zwischen Null und 54.750 Liter, bei Wein zwischen Null und 432 Liter jährlich. Bei den untersuchten Speisen liegen die maximalen Zahlen bei Fleisch 7,75 Tonnen, Fisch 936 Kilo und Obst/Gemüse 1,04 Tonnen. Die Nullwerte ergeben sich durch das nicht vorhandene Angebot.

Die Erwähnung der ermittelten Durchschnittswerte wäre für die besondere Situation der Helgoländer Gastronomie nicht sinnvoll, da die Zahlen nicht repräsentativ für den einzelnen Betrieb sind. Insgesamt wurde die Situation der Helgoländer Gastronomie als „sehr schlecht gehen“ bewertet. Insbesondere die hohen Transportkosten für die auf die Insel zubringende Frischware schlagen neben den hohen Energie- und Wasserkosten noch zusätzlich zu Buche.

Duty-Free-Geschäfte
Aufgrund der Mehrwertsteuererlassung auf Helgoland, sind die Duty-Free-Geschäfte ein attraktiver Einkaufort für Besucher. Jedoch hat die Attraktivität des Zollfreien-Einkaufens abgenommen. So reizt das Zollfrei-Einkaufen nicht mehr, wie in den 1970/80er Jahren noch durch die angebotene Butterfahrten, auf die Insel zu reisen, sondern sie sind lediglich ein netter Nebeneffekt. Die Duty-Free-Geschäfte sind verteilt auf Ober- und Unterland. Es gibt insgesamt 30 Geschäfte. Mit 10 Duty-Free-Geschäften gibt es einen Einzelhändler, der als der größte Repräsentant dieses Wirtschaftszweigs auf der Insel Helgoland bezeichnet werden kann. Neben diesen 10 Geschäften gibt es noch weitere 20 Duty-Free-Shops auf Helgoland. Diese sind einzelständig und haben häufig nur während der Saison in den Sommermonaten geöffnet. Da sich das Geschäft außerhalb der Saison nicht lohnt, haben sie in den Wintermonaten geschlossen.

Die Saisonalität des Tourismus wirkt sich auch auf die Beschäftigten im Duty-Free-Bereich aus. Wahrend in den Wintermonaten nur circa ein Viertel der Mitarbeiter eine Anstellung finden, bietet in die Sommersaison von Juni bis September gute Beschäftigungsmöglichkeiten überwiegend für Helgoländer. In den Sommermonaten arbeiten die Festkräfte doppelt soviel wie in den Wintermonaten, da die Öffnungszeiten im Sommer und Winter stark variieren. Neben den Touristen, die den größten Teil der Umsätze ausmachen, gehen auch die Einheimischen hier einkaufen, jedoch eher selten. Zudem beziehen auch die umliegenden Gastronomien den Alkohol aus den Duty-Free-Geschäften. Die Duty-Free-Geschäfte sind demnach sowohl Einzelhändler als auch Großhändler für die Gastronomien. Die Waren werden von den größeren Unternehmern nach eigenen Angaben direkt vom Hersteller bezogen. Damit können Zwischenhändlerkosten umgangen werden, die die kleineren Duty-Free-Shops jedoch zahlen müssen, weil sich für diese, aufgrund ihrer geringen Lagerkapazitäten, keine Großbestellungen direkt beim Hersteller lohnen würden.

Übernachtungsgäste:
Nach Aussagen vom Tourismusdirektor Klaus Furtmeier liegt der Übernachtungstourismus auf Helgoland seit 10 Jahren auf konstantem Niveau, allerdings bei zurückgehenden Gesamtankünften. Das heißt, das Produkt Übernachtungsurlaub auf Helgoland ist attraktiv und hat ein nachhaltiges Potential für Helgoland. „Hier wird die Reise hingehen“ sagt Klaus Furtmeier in einem Gespräch, dass heißt aber nicht, dass man die Kurzzeitgäste aus den Augen verliert, weil sie ökonomisch wichtig sind. Hierfür muss die Insel nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter attraktiv sein. Durch die Ausweitung der Saison, könnte auch das Lebensgefühl der Helgoländer verbessert werden, da die Saisonarbeit reduziert werden würde.

Die zurückgehenden Kurzzeitbesucherzahlen sprechen für eine Neupositionierung der Insel. In den letzten 20-30 Jahren ist die Anzahl der Tagesgäste ganz entscheidend zurückgegangen. Am 10.8.1965 waren etwa 12.000 Tagesgäste auf der Insel. Dies waren etwa 7.000 zuviel, da nach Ermittlungen die Insel eine Tragfähigkeit nur etwa 5.000 Tagesgäste besitzt. Der Rückgang der Kurzzeitbesucher hängt vor allem mit den generellen Reisegewohnheiten der Deutschen zusammen. Während früher das Urlaubsziel noch vermehrt innerhalb Deutschlands lag, fliegt man heute eher in fernere Länder. Diesen Veränderungen muss sich Helgoland stellen. Im Oktober 2008 wurde mit einem Beratungsunternehmen ein neues Tourismusentwicklungskonzept erstellt (vgl. helgoland.de). Im Jahr zuvor wurden in einem Forum, alle Akteure an einen Tisch gerufen, damit jeder sich mit einbringen konnte.

Die Ergebnisse dieser Studie für die zukünftige Tourismusentwicklung auf Helgoland waren vielfältig. Einer der wesentlichen Punkte der Neuausrichtung Helgolands ist das Wettbewerbsumfeld. Empfohlen wurde eine Reduzierung auf das, was den Gästen auf Helgoland geboten werden kann und was die Zielgruppen interessiert. Hier steht eines im Vordergrund: Helgoland ist die einzige deutsche Hochseeinsel – Natur und Kultur stehen damit im Zentrum der zukünftigen Entwicklung. Dementsprechend war das Ergebnis des Forums ein Tourismuskonzept mit den Säulen Natur, Gesundheit und Wassersport (sanfter Wassersport, Hochsee-Segelrevier). Die Zielgruppe sind 35-jährige und älter sowie der "anspruchsvolle Genießer". Aber nicht nur Wassersport soll die aktiven Besucher locken, sondern auch das attraktive Sport- und Freizeitangebot.

Für die Zukunft Helgolands ist auch der Kreuzfahrttourismus ein wichtiger Aspekt. So wurde Helgoland 2002/03 als neues Fahrtziel für Kreuzfahrtschiffe entdeckt und 2008 von 9 Kreuzfahrtschiffen angefahren. Jedoch besteht ein Problem mit der Annährung an die Insel. Der Tiefgang der großen Kreuzfahrtschiffe stimmt nicht mit dem der Reede überein. Hier müssten Bördeboote eingesetzt werden. Dennoch wird sich weiter bemüht, auch angloamerikanische Kreuzfahrtschiffe für Helgoland als Anfahrtsort zu begeistern.

Fischerei
Aufgrund der Lage der Insel Helgoland, die vollständig von Wasser umgeben ist, vermutet man ein hohes Aufkommen an Fischerei. Umso überraschender ist jedoch die Tatsache, dass es heutzutage keinen einzigen Fischer mehr auf Helgoland gibt, der diesen Beruf in Vollzeit ausübt. Lediglich vier Einwohner betreiben nebenberuflich Fischerei. Die schlechten Zukunftschancen und die körperlich schwere Arbeit könnten Gründe für den fehlenden Nachwuchs in dieser Branche sein. Ein entscheidender Grund ist aber sicherlich die Überfischung und der daraus folgende Mangel an Fisch, die Fischerei nur noch mit teurer und moderner Technik möglich macht. Die Investitionen, die hierfür benötigt werden, belaufen sich auf mehrere Mio. €.

Der gefangene Fisch geht fast ausschließlich an die Helgoländer Gastronomie. Aktuell ist der Taschenkrebs der einzige regelmäßige Fang. Seine Scheren, Knieper genannt, sind auf Helgoland eine bekannte Spezialität.

Um die Fischerei wieder attraktiv zu machen, müsste sich der Fischbestand im Meer wieder erholen. Erste Ansätze, den traditionellen Hummer vor Helgoland wieder zu verbreiten, werden mit Hilfe von intensiver Forschung und Kooperation mit dem Alfred-Wegner-Institut (AWI) versucht. Um den Bestand, der durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges fast komplett zerstört wurde, wieder aufzubauen, beschäftigt sich die Biologische Anstalt Helgoland (BAH) seit mehreren Jahren mit einem Zuchtprojekt. In Zuchtbecken werden weibliche Hummer und einige "Zuchtbullen" gehalten. Die, aus den gezüchteten Eiern geschlüpften, kleinen Hummer werden in vielen Aquarien für 3 Jahre aufgepäppelt, bevor sie ausgewildert werden. Jeder Hummer erhält eine Markierung der BAH, um die Überwachung der Bestände zu erleichtern. Außerdem sind die Fischer in das Hummerprojekt mit einbezogen, um ein Gelingen zu verbessern. Aktuell werden 200-300 Exemplare pro Jahr in den Gewässern um Helgoland herum gefangen. Diese ersten Erfolge zeigen bereits, dass die Hoffnung auf eine Verbesserung der Fischereiwirtschaft auf Helgoland nicht ganz unbegründet ist.

Wissenschaft:
Die Biologische Anstalt Helgoland für Polar- und Meeresforschung (BAH) gehört zum Alfred-Wegener-Institut (AWI) und ist eine wichtige Institution zur Erforschung der Wechselwirkung zwischen Atmosphäre, Eis und Ozean. Neben Helgoland betreibt das AWI noch drei weitere Forschungsstationen in Deutschland, auf Sylt, in Bremerhaven und in Potsdam.

Das Besondere an Helgoland aus Sicht der Meeresbiologen ist der Fels auf dem die Insel gründet. Helgoland ist der einzige Standort, der gesamten südlichen Nordsee, wo dieses primäre Hartsubstrat, also Fels, zu finden ist. Viele Arten im Wasser benötigen festes Substrat als Haftgrund, so dass in Helgoland viele Arten einmalig sind. Beispielsweise ist die Vielfalt an Makroalgen sehr hoch, sie liegt bei etwa 300 unterschiedlichen Arten. Fast 90% aller, an der gesamten Nordseeküste vorkommenden Arten sind auf Helgoland vertreten. Einige Arten gibt es nur auf Helgoland.

Die BAH hat auf der Insel mehrere Standorte: Das ökologische Labor am Hafen, das "Haus C" für Arbeiten der Forschungsgruppen (auch Gastforschung), das Mielck-Haus, indem Gäste untergebracht werden können, die AWI-Häuser mit Wohngemeinschaften für längerfristige wissenschaftliche Arbeiten und das Hagmeier-Haus für Gäste des AWI, die nur kurze Zeit bleiben.

Insgesamt beschäftigt die BAH 60-80 Mitarbeiter, von denen 43 im Bereich der Forschung tätig sind, 5 von ihnen sind Verwaltungsfachkräfte, 6 Reinigungskräfte und 9 Mitarbeiter arbeiten in den Werkstätten. Ihr Beschäftigungsbereich umfasst folgende Dienstleistungen:
- Materialbesorgung und Untersuchungen durch Taucherboot "Diker"
- Materialeinsammlung und -versand über binnenländische Universitäten
- Ausbildungszentrum für Forschungstaucher (auf Helgoland ist nach wie vor die komplette Ausbildung zum Forschungstaucher möglich)
- Führungen im Schauaquarium für Einblicke in die Unterwasserwelt
- öffentliche Führungen durch die Hummerzucht,
- Veröffentlichungen von Fachzeitschriften („Helgoland marine research“)
- Außeruniversitäre Ausbildung zum Techniker
- Betreuung von Forschern, Schul- und Kindergartenprojekten.
Die BAH ist der größte Arbeitsgeber auf der Insel. Er bietet Ausbildungsplätze, als Feinmechaniker und Elektriker an, die auf der Insel sehr selten sind.