Start Gegenstand des Projektes Ver- und Entsorgungs- Infrastruktur


Strom und Wärme
Helgoland liegt als einzige deutsche Hochseeinsel ungefähr 43km vom Festland entfernt. Ein Stromversorgungskabel zum Festland (St. Peter-Ording) kostet heute ca. 20 Mio. €. Nach dem 2. Weltkrieg hat man sich wegen der hohen Kosten für so ein Kabel für ein Kraftwerk auf der Insel entschlossen. Beim Wiederaufbau des Ortes in den 1950/60ern wurde eine Fernwärmeversorgung vorgeschrieben, die von der Abwärme der Dieselmotoren gespeist wird, die die Stromgeneratoren antreiben. Die Wärmebedarfskurve zeigt im Winter ihr Maximum und der Strombedarf ist wegen des Tourismusaufkommens im Sommer am Höchsten. Das führt dazu, dass im Juli und August die Abwärme der Dieselmotoren teilweise in die Nordsee abgegeben werden muss, ein ökologisch unerwünschter Zustand. Wegen der hohen Stromkosten und weil die alten Dieselmotoren erneuerungsbedürftig sind, fiel im Gemeinderat die Entscheidung für ein Strom¬kabel vom Festland zur Insel.
Was wird sich durch das Stromkabel vom Festland ändern?
1. die Strompreise werden wegen der auf Helgoland nicht erhobenen Mehrwertsteuer die günstigsten der Republik sein
2. Helgoländer können dann auch Ökostrom beziehen, aber:
3. das Meerwasserschwimmbad bekommt nicht mehr ca. 80% seines Wärmebedarfs als Niedertemperaturwärme von 50°C vom Kraftwerk geschenkt. Deshalb soll diese Niedertemperaturwärme in Zukunft von einer elektrischen Wärmepumpe aus dem Meerwasser der Reede kommen.
4. Für den Fernwärmebedarf der Insel soll Wärme aus Windenergie hergestellt werden. Die Windenergie ist aus dem Bereich der erneuerbaren Energien das für den benötigten Wärmebedarf passendste Energieangebot. Zwei moderne 2,5 MW-Windkraftanlagen sollen auf den Hafenmolen errichtet werden.


Trinkwasser durch Meerwasserentsalzung
Von Helgoländer Hausdächern wird das Regenwasser in hauseigenen Zisternen gesammelt und der Straßen-Regenwasserablauf in einen Pufferspeicher im Unterland geleitet. Wegen des hohen Wasserbedarfs während des Tourismusandrangs im Sommer ist diese Art der Frischwassergewinnung jedoch nicht aus¬reichend. Seitdem es keine Tankschiffe für den Transport von Süßwasser vom Festland auf die Insel mehr gibt, wird Trinkwasser in einer Meerwasserentsalzungsanlage hergestellt. Durch Umkehrosmose bei 60 bar Druck kann aus 1m3 gereinigtem Meerwasser etwa 1/3 m3 entsalztes Wasser gewonnen werden. Zusätzlich wird aus dem verrieselten Regen-Oberflächenwasser durch Umkehrosmose bei nur 20 bar Druck ebenfalls entsalztes Wasser gewonnen. Das um ca. 1% mit Salz durch die Umkehrosmose angereicherte Meerwasser wird auf der Reede in Meer geleitet und vermischt sich wegen der starken Gezeitenströme dort schnell wieder mit dem restlichen Meerwasser. Um für den menschlichen Genuss geeignet zu sein, müssen genügend Kalzium- und Magnesium-Ionen durch das Durchleiten des entsalzten Wassers durch Kalkstein-Filter ergänzt werden.
Meerwasserentsalzung ist Energie und damit Kosten intensiv. Das Helgoländer Leitungswasser ist mit 7,60 €/m3 deutlich mehr als doppelt so teuer wie das durchschnittliche Trinkwasser auf dem Festland (1,40-3,10 €/m3). Dies mag einer der Gründe sein, warum die Helgoländer durchschnittlich unter 100 Liter pro Kopf pro Tag gegenüber 143 Litern/Kopf/Tag in Schleswig-Holstein verbrauchen (Statistisches Jahrbuch 2008). Eine Druckwasserleitung vom Festland ist wegen Verkeimung im Winter (zu geringer Bedarf) aus hygienischen Gründen nicht umsetzbar.


Abwasser
Das Helgoländer Klärwerk liegt im Südhafengebiet. Es gehört der Gemeinde und wird von der Firma Karl Meyer mit zwei Mitarbeitern betrieben. Von weitem gut sichtbar ist ein dunkler Puffer- und Misch-Hochbehälter. Nach der Abtrennung von Partikeln größer 1mm Durchmesser – diese Fraktion wird nach der Entwässerung durch Abpressen auf das Festland verbracht – folgt ein Sandfang und die Flotation für die Abtrennung adsorbier¬barer Teile sowie die Ausfällung von Phosphaten. Der weitere Abbau der Inhaltsstoffe geschieht in zwei aufeinander folgenden Belebtschlamm-Stufen durch Einblasen von Luft zur Unterstützung des aeroben Abbaus. Das gut gereinigte Abwasser wird auf der Reede in die Nordsee eingeleitet. Die Abwasserbehandlung kostet 9,30 €/m3, wird aber aus politischen Gründen subventioniert und der Preis auf 3,10 €/m3 herabgesenkt.
Abfallentsorgung und Versorgung durch Frachtschiffe
Die Firma Karl Meyer unterhält zwei Reedereien, die die Insel mit Gütern vom Festland versorgen und den anfallenden Abfall abtransportieren: Der Abfall der Insel wird einmal pro Woche nach Wischhafen transportiert und von dort aus verwertet oder einer Müllverbrennungsanlage zugeführt. Im Gegenzug bringt das Schiff vor allem Baumaterialien aus Wischhafen. Das von Karl Meyer übernommene Helgoland Fracht Kontor bringt Lebensmittel und andere Fracht in der Saison zweimal pro Woche von und Leergut nach Cuxhaven. Das Abfallaufkommen in der Sommersaison ist bis zu 10 Mal so hoch wie im Winter.
Sechs der 20 Mitarbeiter sind mit dem Abfall sammeln beschäftigt. Dafür stehen 3 Mercedes Elektro-Sprinter (3,5 to), 5 Elektrokarren und je ein 7,5 Tonnen- und ein 18 Tonnen-Diesel für den Containerdienst zur Verfügung.
Der Müll wird getrennt nach: Papier; Kartonage; Hohlglas; Wertstoffe (Grüner Punkt); Sperrmüll (getrennt nach Holz, Metall, Elektro-Kabel, Elektroschrott, Großgeräte, Rest); Gefahrstoffe und Restmüll. Die Müllabfuhr erfolgt in Säcken und nicht in Tonnen, da Tonnen aufnehmende Fahrzeuge für die schmalen Straßen zu breit wären und nicht als Elektro-Fahrzeuge verfügbar sind.