Die Bevölkerungsbefragung auf der Insel Helgoland (Kreis Pinneberg) im Rahmen des Studienprojektes „Helgoland“ umfasste Fragen, die helfen, eine Berechnung des ökologischen Fußabdrucks in einem isolierten Raum durchzuführen. Der Fragebogen enthielt dementsprechend vor allem Fragen zum Lebensstil der Helgoländer, d.h. zur Art und Weise der Lebensführung der Bürgerinnen und Bürger, die sich hier insbesondere auf die ökologische, umweltbezogene Lebensführung beziehen soll. Ziel der Befragung war die Untersuchung der Auswirkungen des Lebensstils auf die Größe des zu berechnenden ökologischen Fußabdrucks der Helgoländer.
Insgesamt konnten 308 Helgoländer im Alter von 18 bis 90 Jahren befragt werden. Davon waren 49,7% männlich und 50,3% weiblich. Ein Großteil der Bevölkerung mit 42,1% besitzt einen Realschulabschluss. Es folgt mit 29,6% der Haupt- bzw. Volksschulabschluss und mit 26,6% das Abitur. 1,6% der Befragten hat keinen Schulabschluss. Die meisten Befragten sind als Angestellte oder Arbeiter auf der Insel tätig (53,6%). 20,5% sind selbstständig, Gewerbe treibend, beziehungsweise freiberufliche Handwerker. Arbeitslos ist 1% der Befragten und 17,2% befinden sich bereits im Ruhestand. Leider sind vor allem in den Wintermonaten viele Inselbewohner nicht auf der Insel anzutreffen. Dennoch haben wir mit der Befragung ca. 20% der Helgoländer erreichen können und damit eine mehr als repräsentative Stichprobe erfasst.
Folgende Merkmale haben wir für die Untersuchung für wichtig erachtet und haben sie deshalb über den Fragebogen erfasst:
1. Gebäudetyp
2. Energie/ Wasser/ Mülltrennung
3. Gebrauchsgüter
4. Nahrung
5. Konsumgüter
6. Flugverkehr
7. Zukunft für Helgoland
8. Stellung zum Masterplan
1. Gebäudetyp 
Abb. 14: In welcher Art von Gebäude wohnen Sie?
(Quelle: eigene Darstellung)
Wie Abbildung 14 deutlich zeigt, wohnen die Helgoländer vor allem in Einfamilienhäusern. Allerdings folgen mit 35% die Wohngebäude, bestehend aus 3 oder mehr Wohnungen. Ganz typisch für viele Gebäude sind die Gaststätten, beziehungsweise die kleinen Läden (auch Duty-Free-Geschäfte), die sich im Erdgeschoss eines Wohnhauses befinden. Die Wohngebäude als mehrstöckig zu identifizieren war allerdings nicht immer ganz einfach, da viele Gebäude ausgebaute Keller besitzen, die unter anderem auch als Ferien- oder Wohnräume genutzt werden. Zur Kategorie „Sonstige Gebäude“ zählen stark verwinkelte Wohnkomplexe.
2. Energie/ Wasser/ Mülltrennung
Abb. 15: Haben Sie energiesparend saniert?
(Quelle: eigene Darstellung)
Bei der Frage, ob die Wohngebäude energiesparend saniert sind, konnten nicht immer eindeutige Aussagen getroffen werden. Gerade die Mieter waren gegenüber energiesparenden Sanierungen seitens des Vermieters ungewiss.
Gut zu erkennen ist jedoch, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz (2,9%) keine genauen Angaben machen konnte. 38,6% waren sich sicher, saniert zu haben, viele davon vor gar nicht allzu langer Zeit und bei einigen Helgoländern war eine baldige Sanierung bereits geplant oder wurde schon begonnen. 58,5% haben noch nicht energiesparend saniert.
Abb. 16: Würden Sie alternative Energie gegenüber konventioneller Energie bevorzugen? (Angaben in Prozent)
(Quelle: eigene Darstellung)
Bei dieser Frage würden die meisten Helgoländer alternative Energie bevorzugen, wenn sie gleich viele Kosten verursachen würde wie die konventionelle Energie (46,8%). 12,3% der Inselbewohner wären sogar bereit, 10% mehr für alternative Energie zu zahlen. Ganz anders sieht es bei 20% höheren Kosten aus. Immerhin 1,9% der Befragten wäre noch bereit, diese erhöhten Kosten zu tragen. Die Befragung ergab, dass Helgoländer im Allgemeinen, sehr positiv gegenüber alternativen Energien eingestellt ist. Nur 4,5% der Befragten würden alternative Energien nicht den konventionellen Energien bevorzugen.

Abb. 17: Wie lange duschen Sie im Durchschnitt wöchentlich?
(Quelle: eigene Darstellung)
Ein weiteres auffälliges aber sehr ausschlaggebendes Ergebnis für den ökologischen Fußabdruck gab es bei der Frage nach der wöchentlichen Duschdauer. Fast 64% der Befragten duschen auf eine ganze Woche verteilt höchstens eine Stunde, was auf die hohen Wasserkosten, infolge der eigenen Wasseraufbereitungsanlage auf der Insel zurückzuführen ist. Der durchschnittliche Helgoländer lebt diesbezüglich sehr sparsam, was, wenn scheinbar auch nicht beabsichtigt, dem ökologischen Fußabdruck sehr gut tut.
Abb. 18: Trennen Sie in Ihrem Haushalt den Abfall?
(Quelle: eigene Darstellung)
Ebenso vorbildlich ist der Helgoländer wenn es um die Mülltrennung geht. Fast 100% trennen den Müll nach allen Kriterien. Dieses Ergebnis überrascht allerdings nicht so sehr, sind doch wir Deutschen als Weltmeister des Mülltrennens international bekannt – wenn nicht belächelt.
3. Gebrauchsgüter
Hierbei ging es darum herauszufinden, wie viele der folgenden Gebrauchsgüter die Helgoländer besitzen: Fahrrad, Auto, Boot, Fernseher, DVD-Player, Computer/ Laptop, Kühl- oder Gefrierschränke, Geschirrspülmaschine, Mikrowelle sowie Wäschetrockner. Da Fahrrad- und Autofahren auf Helgoland verboten ist, mit Ausnahme von Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und Gepäckservice, sind die Zahlen nicht verwunderlich. Von den 308 befragten Helgoländern besitzen nur 46 ein Fahrrad und 65 ein Auto (auf dem Festland). Auch Boote sind ausschließlich 46 im Besitz eines Inselbewohners. Ganz anders ist es an dieser Stelle bei den Fernsehern, nur 4,2% der befragten Personen auf Helgoland besitzen keinen Fernseher. Weit über die Hälfte der befragten Bevölkerung besitzt die bereits aufgezählten Geräte wie Mikrowelle, PC, Wäschetrockner und Geschirrspülmaschine. Das Minimum liegt dabei jeweils bei einem Gerät und das Maximum bei 9 Fernseher oder 5 Boote pro befragter Helgoländer. Beim Besitz von mehreren Geräten pro Kategorie (z.B. Autos, Boote, Computer etc.) haben sich nach weiterem Nachfragen berufliche Gründe dafür gezeigt. Im Durchschnitt besitzt jeder Helgoländer von allen Geräten mindestens eine Ausführung.
4. Nahrung
Abb. 19: Wie oft essen Sie Fleisch und Wurstprodukte?
(Quelle: eigene Darstellung)
Die Befragung ergab, dass mehr als die Hälfte der Helgoländer mindestens ein Mal am Tag oder öfter Fleisch- oder Wurstprodukte essen (52%). Jeden zweiten Tag essen noch 20%, 1-3 Mal pro Woche auch 20% und selten Fleisch essen 5% der Befragten. Nur 2% der Inselbewohner isst gar kein Fleisch. 
Abb. 20: Wie oft essen Sie Fisch?
(Quelle: eigene Darstellung)
Wie oft oder selten hingegen Fisch auf der Insel im Meer gegessen wird, hat uns Festlandsbesucher überrascht. Abbildung 20 zeigt, dass die höchsten Prozentzahlen bei „1-3 mal pro Woche“ (51,6%) und „seltener“ (24,4%) auftauchen. Das haben wir als Fragende von der Insel Helgoland nicht so erwartet. Außerdem haben wir, bevor wir auf Helgoland waren, die Insel mit viel Fischerei (Hummer, Knieper, Fischräuchereien) in Verbindung gebracht. Unser Besuch auf der Insel hat gezeigt, dass es wenig selbst gefangenen Fisch auf Helgoland gibt und die Boote im Hafen im Besitz anderer Länder sind, die vor der Insel auf Fischfang gehen. Für den Fischkonsum der Helgoländer gibt es fast ausschließlich auch nur den, der ganz normal im Supermarkt als Importfisch erworben werden kann. Somit ist das Ergebnis zur Häufigkeit beim Fischkonsum nicht mehr überraschend.
Abb. 21: Wie oft essen Sie tierische Produkte?
(Quelle: eigene Darstellung)
Ganz anders als der Fischkonsum werden tierische Produkte von den Helgoländern zum größten Teil täglich verzehrt. Darunter zählen Milch, Eier, Käse, Butter und vieles mehr, was bei mindestens einer Mahlzeit am Tag gegessen wird. Nur bei einem Prozent der Befragten kommt es nie auf den Tisch (Veganer). Zwischen den Kategorien „jeden zweiten Tag“ und „nie“ sind die Werte sehr ähnlich.
Die folgende Frage, ob Produkte aus biologischem Anbau bevorzugt werden, wurde von der Mehrheit der Befragten mit „ja“ beantwortet. Allerdings ist in Abbildung 21 zu erkennen, dass es für die Helgoländer nicht immer möglich ist, Bioprodukte käuflich zu erwerben. Welche Produkte es zu kaufen gibt und wie viel davon vorhanden ist, hängt von den wöchentlichen Lieferungen und dem Einkäufer in den Lebensmittelgeschäften ab. Viele Inselbewohner würden sehr gerne mehr Bioprodukte kaufen (62,3%), wenn dies möglich wäre. Nur 37,7% der Befragten legen beim Kauf keinen besonderen Wert auf Produkte aus biologischem Anbau. Hier ließe sich sicherlich aufgrund der kontrollierbaren Einfuhr aller Produkte noch besser auf die Wünsche der Bevölkerung reagieren und wenn auch nicht den ökologischen Fußabdruck verringern, so doch zumindest ein ökologisch nachhaltiges Wirtschaften auf dem Festland durch ein bewusstes Konsumverhalten auf Helgoland unterstützen. 
Abb. 22: Bevorzugen Sie Produkte aus biologischem Anbau?
(Quelle: eigene Darstellung)
Abb. 23: Kaufen Sie Lebensmittel aus biologischem Anbau?
(Quelle: eigene Darstellung)
Bei der Frage nach der Herkunft der gekauften Lebensmittel gaben 75,3% der Helgoländer an, dass sie beim Lebensmitteleinkauf vorwiegend auf Produkte aus naher und mittlerer Entfernung achten, was eine positive ökologische Einstellung erkennen lässt. Ca. 15% kaufen vorwiegend europäische Produkte, wozu unter anderem auch Obst und Gemüse zählt. 
Abb. 24: Woher kommen die Lebensmittel, die Sie bevorzugt kaufen überwiegend?
(Quelle: eigene Darstellung)
Das Besondere bei den Helgoländern ist, dass relativ große Mengen ihrer Einkäufe tiefgefrorene Produkte sind (38,8%), die sie längerfristig lagern können, für den Fall von witterungsbedingten Versorgungsengpässen. Gerade in den Wintermonaten kann es häufiger vorkommen, dass das Versorgungsschiff vom Festland nicht fahren kann. Hier sind die Helgoländer ganz speziellen Herausforderungen ausgesetzt und lösen dieses „Problem“ eben durch den Kauf von Tiefkühlkost. Trotz allem gaben auch fast genauso viele Helgoländer (37,1%) an, ihre Produkte vorwiegend frisch zu kaufen. Große Einigkeit gab es bei der Frage nach der Form, in der die Helgoländer ihre Getränke kaufen. Ganze 86,5% kaufen ihre Getränke in umweltfreundlichen Mehrwegflaschen.
5. Konsumgüter
Abb. 25: Wie oft kaufen Sie durchschnittlich ein neues Kleidungsstück?
(Quelle: eigene Darstellung)
Bei der Frage nach der Häufigkeit eines Kleidungskaufes gab es erneut sehr auffällige Ergebnisse. 41,8% der Befragten, also fast die Hälfte, kauft sich seltener als alle drei Monate ein Kleidungsstück. 43,5% kaufen sich alle ein bis drei Monate etwas Neues zum Anziehen. Auch dies ist wahrscheinlich mit der vorhandenen relativen Isoliertheit der Insel vom Festland zu erklären. Viele Helgoländer gaben an, ihre Kleider oft auf dem Festland einzukaufen. Um dahin zu gelangen, müssen sie entweder mit der Fähre übersetzen oder mit dem Flugzeug, das täglich von der Düne startet, fliegen. Das bedeutet Zeit- und Kostenaufwand, der nicht mal eben zum Wochenende aufgebracht wird.
6. Flugverkehr
Abb. 26: Wie oft sind Sie durchschnittlich im letzten Jahr geflogen?
(Quelle: eigene Darstellung)
Abb. 27: Wohin sind Sie durchschnittlich im letzten Jahr geflogen?
(Quelle: eigene Darstellung)
Das Flugverhalten der Helgoländer überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass die Hochseeinsel nur sehr zeitaufwendig vom Festland aus mit der Fähre erreichbar ist. Auf die Frage, wie oft die Helgoländer im letzten Jahr durchschnittlich von Helgoland aus geflogen sind, ergab, dass 29,2% der Befragten nur ein einziges Mal im Jahr von Helgoland aus ans Festland flogen. Weitere 27% sind zweimal innerhalb des letzten Jahres und noch einmal 9,6% sind drei- und viermal geflogen. Zumeist handelte es sich hierbei um Flüge innerhalb Deutschlands oder auch Europas. Nur sehr selten flog jemand an ein Ziel außerhalb Europas. Sehr auffällig jedoch war, dass drei Personen angaben, ca. 20 bis 26 Mal geflogen zu sein. Eine weitere Person flog sogar 200 Mal in einem Jahr. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um innerdeutsche, beruflich bedingte Flüge, die zeitsparender sind als die Überfahrt mit der Fähre.
7. Zukunft für Helgoland
Abb. 28: Ich wünsche mir folgende Zukunft für Helgoland
(Quelle: eigene Darstellung)
Neben den helgoländer Lebensgewohnheiten sind auch die Einstellungen und Haltungen der Helgoländer bezüglich der Zukunft ihrer Insel sehr interessant. 32,6% der Befragten wünschen sich, dass Helgoland eine Tourismusinsel vor allem für Naturliebhaber wird. Nur noch 17,3% wünschen sich den bis dato vorherrschenden Tagestourismus. Auffällig war, dass sich über 50% nicht äußern konnten oder wollten, was die Zukunft der Insel betrifft. Diese Antwort trat meist bei Helgoländern der älteren Generation auf. Bei der Kategorie „Sonstiges“ wurde vor allem die Kombination einer Tourismusinsel mit Naturliebhabern und Tagesbesuchern genannt.
8. Stellung zum Masterplan
Abb. 29: Wie stehen Sie zum Projekt Masterplan Helgoland / Aufschüttung der Düne?
(Quelle: eigene Darstellung)
Die Antworten auf die Frage nach der Einstellung der Helgoländer bezüglich des „Masterplans“ zeigen eine kritische bis eher ablehnende Haltung. 19,9% lehnen dieses Vorhaben komplett ab und 22,5% sind dem gegenüber eher skeptisch. 34,1% würden den Plan sehr begrüßen und 23,5% sind dem Plan gegenüber kritisch, denken aber, dass es mit der notwendigen Planung klappen kann.
Einige Helgoländer erhoffen sich mit der Aufschüttung endlich wieder mehr Gäste und dementsprechend mehr wirtschaftliche Einnahmen für die Insel. Neue Arbeitsplätze könnten entstehen, die Infrastruktur könnte endlich verbessert werden, die Perspektiven für Kinder und Jugendliche würden wieder steigen. All das sind einige von vielen positiven Veränderungen, die die Helgoländer in der Aufschüttung sehen. Demgegenüber stehen aber auch berechtigte Zweifel. Einige Bewohner haben Angst, dass die Insel zur Großbaustelle wird und dass die Einzigartigkeit der Insel verloren geht. Zudem wäre es ein riesiger Eingriff in das natürliche Ökosystem, dessen Folgen unvorhersehbar sind. Außerdem wünschten sich viele Helgoländer zunächst einmal ein konkretes Planungskonzept, bevor sie eine bestimmte Meinung äußern können. Einige Helgoländer sagten aber auch, dass sich für sie persönlich nichts ändern würde.
Ergebnis der Auswertung der Befragung
Die Auswertung der Fragebögen zeigt deutlich, dass die Inselbewohner sehr von den isolierten Bedingungen, die auf Helgoland vorherrschen, abhängig sind. Das betrifft vor allem ihr eingeschränktes Konsumverhalten, den relativ geringen Energie- und Wasserverbrauch sowie die teure und wetterabhängige Anbindung an das Festland. All dies wirkt sich allerdings andererseits positiv auf den ökologischen Fußabdruck aus.
Das Leben auf der Insel ist ruhig und gelassen. Die Wege sind kurz und jeder kennt jeden. Die meisten Helgoländer sind zufrieden. Kritisch kann es werden, wenn die Kleinheit zu einem gewissen Anpassungsdruck führt, wenn das soziale Leben festgefahren wirkt und aus Nachbarschaftshilfe Überwachung wird. Die soziale Kontrolle bei einer derartig kleinen Gesellschaft lässt sich kaum vermeiden. Doch für die meisten überwiegen die Vorteile: das Leben der Helgoländer ist weitaus entspannter als auf dem Festland, da es weniger Reizüberflutungen gibt und auch die Kriminalität auf der Insel nahezu gleich Null ist.