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Fußabdruck

Abb. 30: Der Ökologische Fußabdruck

(Quelle: footprintnetwork.org)

1. Das Konzept des ökologischen Fußabdrucks nach Wackernagel und Rees

Der ökologische Fußabdruck ist nicht zuletzt ein pädagogisch wertvolles Konzept, des 1997 von Mathis Wackernagel und William E. Rees unter dem Titel „Unser ökologischer Fußabdruck: wie der Mensch Einfluss auf die Umwelt nimmt“ auf Deutsch veröffentlicht wurde. Es soll der Menschheit helfen, ihren Fortbestand auf der Erde zu sichern. Denn die von Wettbewerb und Wirtschaftswachstum getriebene heutige Lebensweise führt zu einem so genannten „Überziehen“, also zum unwiederbringlichen Verbrauch des Naturkapitals und seiner lebenserhaltenden Funktionen über die ökologische Tragfähigkeit der Erde hinaus, z.B. durch die Degradierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Es handelt sich beim ökologischen Fußabdruck um eine Abschätzung, wie viel Hektar biologisch produktive Land- und Wasserfläche gebraucht werden, um die für die Versorgung einer gegebenen Bevölkerung benötigten Güter herzustellen und ihre Abfälle abzubauen. Ergebnis der Berechnungen ist also ein konkreter Flächenverbrauch pro Einwohner bzw. Bevölkerung, der „Fußabdruck“.

Die Analyse verschiedener Fußabdrücke ermöglicht Vergleiche zwischen Regionen u./o. einzelnen menschlichen Tätigkeiten sowie die Abschätzung von Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit menschlichen Handelns. Dabei wird eine beschränkte, aber wesentliche Menge ökologischer Funktionen betrachtet.

Zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks werden Kategorien des Konsums und der Landnutzung eingeführt. Die fünf Hauptkategorien des Konsums sind:

1. Nahrung

2. Wohnen

3. Transport

4. Konsumgüter

5. Dienstleistungen

Die acht benannten Land- und Landnutzungskategorien sind:

I Land für Fossilenergie -> a. Nutzung von Fossilenergie (Produktion / Absorption)

II verbrauchtes Land -> b. degradiertes oder überbautes Land

III heute beanspruchtes Land -> c. Ackerfläche

d. Weidefläche

e. forstwirtschaftlich genutzte Wälder

IV begrenzt nutzbares Land -> f. (weitgehend) unberührte Wälder

g. biologisch unproduktives Land

V Meeresflächen -> h. hochproduktive Meeresgebiete

i. wenig produktive Meeresgebiete

Ergebnis ist eine „Konsum-Landflächen-Matrix“, die die Beziehung zwischen den jeweils wichtigen Verbrauchs- und Landkategorien definiert. Der Verbrauch wird hierbei in den Zeilen und die hierfür benötigten Landflächen in den Spalten abgetragen. Durch Summierung erhält man den Flächenverbrauch je Konsumkategorie.

Folgende Formeln geben Wackernagel und Rees zur Berechnung des Fußabdrucks vor (Wackernagel & Rees 1997):

1. Jährlicher pro-Kopf-Verbrauch einer Bevölkerung:

Verbrauch = Produktion + Importe – Exporte

2. Den Verbrauch von ökologischen Flächen pro Kopf (fl) für jedes Gut (i)

fli = vi / pi

-> vi = jährlicher Verbrauch des Guts i (in kg pro Person)

-> pi = ökologische Produktivität / Ernte (in kg pro Hektar und Jahr)

3. Den Fußabdruck (Flächenverbrauch für Konsum) einer Person (öf)

n

öf = ∑ fli

i=l

4. Den Durchschnittsfußabdruck einer Bevölkerung (ÖF) mit N Personen

ÖF = öf x N

Die Bestimmung der ökologischen Produktivität richtet sich demgegenüber i.d.R. nach dem Weltdurchschnitt. Dies gewährt u.a. die Vergleichbarkeit der verschiedenen Fußabdrücke. Nach Wackernagel und Rees stehen den Menschen insgesamt 8,5 Mrd. Hektar Landfläche für ihren Verbrauch zur Verfügung. Bei einer Weltbevölkerung von (damals) 5,8 Mrd. Menschen stünden jedem Menschen somit 1,45 Hektar zu. Der Fußabdruck der reichen Nationen und Ballungszentren übertreffe jedoch diese Fläche um ein Vielfaches. Der Fußabdruck der Menschheit sei ebenfalls zu groß: von den vorhandenen 7,3 Mrd. Hektar produktivem, nutzbaren Land werden (inkl. 3 Mrd. Hektar als CO2-Senke berechneten Wäldern) gut 10 Mrd. Hektar genutzt – d. h. die ökologische Tragfähigkeit werde bereits 1997 um über 30% überzogen – auf Kosten des Naturkapitals der Erde, was zu verstärkter Erosion und Degradation der Landwirtschaftsflächen führt .

2. Vorüberlegungen und Umsetzung

Um den ökologischen Fußabdruck für Helgoland zu berechnen, mussten wir zunächst abgrenzen, für wen oder was genau dieser berechnet werden soll. Möglich wäre eine Berechnung:

a) für einen durchschnittlichen Bewohner bzw. für alle Helgoländer. Dann müsste alles in die Berechnung eingehen, was die Inselbewohner verbrauchen – ob auf der Insel oder woanders.

b) die räumliche Begrenzung auf die Insel. Hier fließt das ein, was Einwohner und Besucher zusammen auf Helgoland konsumieren und verbrauchen.

Entschieden haben wir uns für Variante b, die räumliche Begrenzung der Insel. Wir wollten im Sinn von Wackernagel und Rees abbilden, wie die Insel tatsächlich existiert und welchen Einfluss der hier geführte Lebensstil auf die natürlichen Ressourcen hat. Auch die Besucher der Insel – die Touristen als der wichtigste Wirtschaftsfaktor – tragen schließlich zum Ressourcenverbrauch bei. Ein positiver Nebeneffekt dieser Variante ist die Möglichkeit, erhobene Daten wie z.B. die jährliche Stromerzeugung auf Helgoland ohne weitere Differenzierung übernehmen zu können.

Den zweiten Schritt der Arbeit im Rahmen unseres Studienprojekts stellte die Datenerhebung dar. Ein Teil der Daten erfassten wir durch die Bevölkerungsbefragung und einen anderen Teil durch die Experteninterviews in den verschiedenen Ver- und Entsorgungs-, Groß- und Einzelhandels- sowie Gastronomiebetrieben. Bedauerlicherweise konnten wir in einem zentralen Bereich nur sehr undifferenzierte Daten erhalten, da einige zentrale UnternehmerInnen sich auf ihre Geschäftsgeheimnisse beriefen. Vom statistischen Landesamt Schleswig Holstein erhielten wir ebenfalls nur sehr grobe Angaben.

Die Durchführung der Berechnung erfolgte mithilfe einer Arbeit von Dipl.-Ing. Matthias Schnauss mit dem Titel: „Der ökologische Fußabdruck der Stadt Berlin“. Der Autor stellt seine von Wackernagel und Rees abgeleiteten Berechnungsmethoden in Form einer Tabelle (Excel-Datei) zur Verfügung. Wie Schnauss haben wir somit im Fall fehlender Daten auf die EVS (Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von Statistischem Bundesamt und Landesämtern) von 1993 zurückgegriffen (vgl. Schnaus 2001).

3. Berechnung des Helgoländer Fußabdrucks

Bezugsjahr für unsere Berechnungen ist 2007 (bzw. teilweise 2008).

Wie sowohl Wackernagel und Rees als auch Schnauss, haben wir eine nach Landnutzungs- und Konsumkategorien aufgeschlüsselte Konsum-Landflächenmatrix erstellt. Die Einzelergebnisse liegen jeweils in Flächenverbrauch (ha) der gesamten Insel vor – ferner geben wir den „Fußabdruck“ je HelgoländerIn an (Gesamtbevölkerung: 1.545 gemeldete Einwohner in 2008).

Neben den 1.545 Helgoländer EinwohnerInnen und den 288.102 Tagesgästen gab es (2007) 206.477 Übernachtungen auf der Insel. Für die Berechnung der Verbräuche sind wir von 914.453 Personentagen auf der Insel für 2007 ausgegangen, wobei den Tagesgästen nur jeweils 0,5 Tage zugerechnet wurden.

In der ersten Konsumkategorie (Nahrung) haben wir zunächst die für die Ernährung der Insel benötigte Energie ermittelt. Hierfür mussten wir mangels eigener Daten auf die EVS sowie die spezifischen Energiefaktoren für pflanzliche, tierische und flüssige Nahrung nach Schnauss zurückgreifen. Über einen ebenfalls von Schnauss entnommenen Energie-Land-Faktor (71) wurde jeweils die Umrechnung von Energiewerten [GJ/t/a] auf Landflächen [ha] vorgenommen.

3.1 Mangelnde Datenlagen und Qualität der Berechnung

Die Unvollständigkeit der erhobenen und vorliegenden Daten führt insgesamt zu einigen Ungenauigkeiten in der vorliegenden Berechnung, die jedoch im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten nicht zu beheben sind. Mangels Daten mussten wir einige Berechnungen vernachlässigen. Dies gilt sowohl für die Konsumkategorie „Dienstleistungen“ als auch für die Landnutzungskategorie „Waldfläche“. Den Flächenverbrauch für Holzprodukte (Brennholz, Bauholz, Papier) schätzen wir jedoch für den Fußabdruck der Insel als insgesamt nicht besonders relevant ein.

Ferner mussten wir für die Berechnung des Meeresflächen-Verbrauchs teilweise von Schätzungen ausgehen. Diese beruhen teilweise auf von Schnauss zu Rate gezogenen Hamburger Daten, zusätzlich haben wir den vermuteten Helgoländer Mehrverbrauch von Fischen und Meeresfrüchten mit einem Faktor von 1,3 angerechnet.

Bei der Berechnung von Acker- und Weideflächenverbrauch für die Konsumkategorie Güter haben wir – aufgrund der durchgeführten Befragung – dafür einen Minderverbrauch der Helgoländer angenommen, der mit einem Faktor von 0,75 in die Berechnungen einfloss.

Bei der Berechnung des Brennstoffverbrauchs (Konsumkategorie: Wohnen) konnten wir von der für die Strom- und Wärmeerzeugung genutzten Energie (Diesel) des Helgoländer Kraftwerks ausgehen. Die Werte, wie viel Diesel jeweils für Wärme- bzw. Stromproduktion benötigt werden, lagen jedoch nicht vor. Da der überwiegend nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Strom jedoch hauptsächlich ein Nebenprodukt der Wärmeerzeugung ist, können aus unserer Sicht die vorgegebenen Effizienzfaktoren zur Berechnung verwendet werden.

Ein relativ großer Mangel ist jedoch das Fehlen von Daten zum Schiffsdieselverbrauch der Ver- und Entsorgungsschiffe. In unsere Berechnungen gingen nur der Verbrauch auf Helgoland selbst sowie ein für den Fährbetrieb teilweise geschätzter Kraftstoffverbrauch ein.

4. Ergebnisse: der Helgoländer Fußabdruck

Die Konsum-Landflächen-Matrix gibt Auskunft darüber, wie viel produktive Landfläche pro Konsumkategorie durch den Lebensstil der HelgoländerInnen verbraucht wird. Der Fußabdruck der gesamten Insel beträgt demnach 10.502,5 ha. Bei einer Gesamtfläche Helgolands von 170 ha verbraucht die Insel damit etwa das 62-fache ihrer eigenen Landfläche pro Jahr (siehe Tab. 2).

Matrix

Tab. 2: Konsum-Landflächen-Matrix der Insel Helgoland (Flächenverbrauch in ha)

(Quelle: eigene Darstellung)

Teilt man die Werte der Konsum-Landflächen-Matrix Helgolands durch die Zahl der Helgoländer Einwohner (1.545) ergibt sich die Konsum-Landflächen-Matrix eines Helgoländers. Ein Helgoländer verbraucht demnach 6,8 ha pro Jahr (siehe Tab. 3).

Matrix2

Tab. 3: Konsum-Landflächen-Matrix eines Helgoländers (Flächenverbrauch in ha/EW)

(Quelle: eigene Darstellung)

Betrachtet man den Landflächenverbrauch der Insel Helgoland (Abbildung 31) fällt auf, dass rund drei Viertel auf die Flächenkategorie Energie entfällt. Dies ist nicht weiter erstaunlich, insbesondere wenn man die energieintensive Versorgung einer Insel (Dieselkraftwerk und Versorgung durch Schiffe) bedenkt – aber in jeder Konsumkategorie entstehen Energieverbräuche durch Herstellung und Transporte. Den zweitgrößten Anteil machen Weideflächen mit rund 16% aus, wovon der Großteil auf dem hohen und Ressourcen intensiven Fleischkonsum gründet - eine Fleischkalorie erfordert 10 Mal so viel Fläche wie eine Getreidekalorie. Demgegenüber stehen rund 7% Verbrauch von Meeresfläche (Fischkonsum) und 4% Ackerfläche (pflanzliche und flüssige Nahrung sowie Kleidung). Die Versiegelung durch Siedlungs- und Gewerbeflächen hat einen verschwindend geringen Anteil von nur 0,29%.

Landflächenverbrauch

Abb. 31: Flächenverbrauch der Insel Helgoland nach Landflächen

(Quelle: eigene Darstellung)

Wofür werden diese Flächen verbraucht? Antwort auf diese Frage gibt Abbildung 32.

Konsumgüter und Nahrung schlagen mit jeweils etwa einem Drittel zu Buche. Dabei wurde der Wert für Konsumgüter in unserer Berechnung aufgrund mangelnder Datenlage möglicherweise unterschätzt. Den weitaus größten Faktor innerhalb dieser Kategorie bildet die Unterkategorie „Fahrzeuge, Maschinen sowie sonstige Halb- und Fertigwaren“. Die Konsumkategorie „Wohnen“ bildet den dritten großen Block mit 27%, wovon der Löwenanteil auf Wärme- und Stromerzeugung entfällt. Transporte (Schiffs- und Flugverkehr mit energieintensiven Kraftstoffen) verursachen immerhin noch 10% des Flächenverbrauchs.

Flächenverbrauch Konsumkategorie

Abb. 32: Flächenverbrauch der Insel Helgoland nach Konsumkategorien

(Quelle: eigene Darstellung)

Im Folgenden werden die einzelnen Konsumkategorien noch genauer dargestellt (Abb. 33):

Für die Konsumkategorie Nahrung lässt sich sagen, dass die Fleischproduktion (Verbrauch von Weideflächen) den größten Anteil des Flächenverbrauchs (rund 60%) ausmacht. An zweiter Stelle steht der Verbrauch von Meeresfläche (Fischkonsum) mit knapp 30%.

Nahrung

Abb. 33: Flächenverbrauch durch die Konsumkategorie Nahrung

(Quelle: eigene Darstellung)

Der Flächenverbrauch durch die Konsumkategorie Wohnen begründet sich zu 99% durch die für das Wohnen (Strom und Heizung, hier Fernwärme) bereitgestellte Energie.

Wohnen

Abb. 34: Flächenverbrauch durch die Konsumkategorie Wohnen

(Quelle: eigene Darstellung)

Etwa 85% des durch Transporte verursachten Flächenverbrauchs wird nach unserer Berechnung durch Schiffstransporte verursacht – allerdings unterschätzt unsere Zahl die tatsächlichen Verhältnisse, da wir keinerlei Angaben über den Schiffsdieselverbrauch von Ver- und Entsorgung erhalten konnten.

Transport

Abb. 35: Flächenverbrauch durch die Konsumkategorie Transport

(Quelle: eigene Darstellung)

Die Kategorie Konsumgüter ist in sich sehr heterogen. Nach Zahlen des Statistischen Landesamts Schleswig-Holstein konnte die hier dargestellte grobe Einteilung vorgenommen werden. 78% macht dabei die Unterkategorie „Maschinen, Fahrzeuge sowie sonstige Halb- und Fertigwaren“ aus – durch ihre energieintensive Herstellung. Knapp 13% entfallen auf die Unterkategorie „Erden, Steine, Baustoffe“, was sich aus den intensiven Arbeiten zur Inselbefestigung erklären lässt. Des Weiteren fällt der noch recht stattliche Anteil von Aluminium (knapp 2%) auf, was sich aus der extrem hohen spezifischen Energie herleitet, die für die Aluminium-Produktion aufgewendet werden muss. Für die Bekleidungs-Produktion werden insbesondere Acker- und Weideflächen verbraucht.

Güter

Abb. 36: Flächenverbrauch durch die Konsumkategorie Güter

(Quelle: eigene Darstellung)

4.1 Vergleich der Ergebnisse

Hier werden die Helgoländer Ergebnisses mit dem Deutschen Durchschnitt nach Rees und Wackernagel sowie dem Berliner Fußabdruck nach Schnauss verglichen.

Der hier berechnete Fußabdruck Helgolands beträgt 6,8 ha pro Person / pro Jahr.

Rees und Wackernagel geben 1997 den Fußabdruck eines Deutschen zu Lande mit 4,4 ha pro Person an. Stellt man diesem Wert einem Helgoländer Fußabdruck gegenüber (unter Vernachlässigung des Verbrauchs mariner Flächen), ist dieser mit 6,3 ha etwa 1,5 mal so groß wie der des Durchschnitts-Deutschen.

Bei Schnauss 2001 hat Berlin einen Fußabdruck von 4,41 ha pro Person. Dieser entspricht etwa dem deutschen Durchschnitts-Fußabdruck, allerdings enthält dieser den Verbrauch von Meeresfläche. Der hier berechnete Fußabdruck eines Helgoländers (6,8 ha) beträgt somit 154% des Berliner Fußabdrucks. Dies ist ein beträchtlicher Unterschied.

Vergleicht man die Berliner und die Helgoländer Konsum-Landflächen-Matrix, fallen einige Unterschiede auf, die wir wie folgt interpretiert haben:

Wie bereits benannt, liegt die Differenz zum großen Teil an der Ver- und Entsorgung per Schiff sowie der Strom- und Wärmeerzeugung durch das Dieselkraftwerk. Die Insellage scheint des Weiteren für einen hohen Bedarf an Fahrzeugen und Maschinen für die Inselbefestigung verantwortlich zu sein. Ferner ist der intensive Tourismus auf Helgoland nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern er stellt auch den Grund für stark erhöhte Verbrauchszahlen dar.

5. Stellschrauben beim ökologischen Fußabdruck

Um die von der Natur angebotenen Ressourcen in einer nachhaltigen Weise zu nutzen, darf der ökologische Fußabdruck nicht zu groß sein. Das Ziel sollte also sein, dass jeder Mensch eben nur die Menge an Rohstoffen verbraucht, die sich regenerieren lässt. Um den Fußabdruck zu verkleinern, gibt es zahlreiche Möglichkeiten.

Zunächst gibt es viele Möglichkeiten, selbst bestimmt den eigenen Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Wirksame Mittel sind zum Beispiel ein geringerer Fleischkonsum, die Nutzung von ausschließlich regenerativen Energien beim Strombezug, eine gute Wärmedämmung am Wohnhaus, der Erwerb von Gütern, die eine lange Lebensdauer haben und zudem recyclebar sind, Einschränkungen bei Fernreisen (zum Beispiel auch ein einmaliger längerer Aufenthalt anstatt Kurztrips in ferne Länder) und der Verzicht auf das Flugzeug bei kurzen Distanzen. All dieses sind Maßnahmen, die die Lebensqualität vermutlich nicht besonders dramatisch verschlechtern.

Die Inselbewohner von Helgoland haben gerade bei der zuletzt genannten Möglichkeit ein großes Einsparpotential, wenn sie bei ihren Festlandsbesuchen die Fähre statt einem Flugzeug bevorzugen und genau dieses auch ihren Besuchern vorschlagen.

Als nächsten Punkt soll auf die Veränderungen beim ökologischen Fußabdruck eingegangen werden, die sich aus größeren Maßnahmen ergeben. So wird die zurzeit geschaffene Anbindung der Insel an das Stromnetz des Festlandes durch ein Seekabel vermutlich deutliche Auswirkungen beim Fußabdruck für die Nutzung fossiler Brennstoffe haben. Wird der Strom nicht mehr durch die Verbrennung von Diesel produziert, ändert sich der Wert in Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Strommixes bei der Erzeugung und Einspeisung in das Verbundnetz. Ob der Wert tatsächlich geringer wird, ist aber auch abhängig vom durchschnittlichen Zeitraum im Laufe eines Jahres, in dem der Strom derzeit mittels der effizienteren Kraft-Wärme-Kopplungs-Technik auf der Insel erzeugt wird.

Weitere Möglichkeiten ergeben sich zudem aus einer noch effizienteren Nutzung der zurzeit durchgeführten Fähr- und Transportverbindungen. Je höher die Auslastung ist, desto geringer ist der Ressourcenverbrauch jedes einzelnen Artikels, der so die Insel erreichen muss. Hier bestehen vermutlich noch immer Einspar-Potentiale.

Ein weiterer Aspekt wäre der Versuch, die Auswirkungen des vorgeschlagenen Masterplans Helgoland, also der Aufschüttung der Reede zwischen Hauptinsel und Düne, auf den ökologischen Fußabdruck zu prognostizieren. Für die Bauzeit, vermutlich auch für die Zeit danach, wird sich der ökologische Fußabdruck deutlich vergrößern. Für die nötigen Wasser- und sonstigen Baumaßnahmen sind große Mengen an Material und Baumaschinen notwendig. Ständige Nachbesserungs- und Unterhaltungsmaßnahmen werden nach der Realisierung erforderlich sein. Steigt die Zahl der Bewohner und der Gäste durch die Realisierung des Masterplans, wird auch der Fußabdruck der Insel größer.

6. Ergebnis der Berechnung des Ökologischen Fußabdruckes

Schon in den Vorüberlegungen zu diesem Projekt wurde klar, dass sich eine genauere Ermittlung des ökologischen Fußabdrucks der Insel Helgoland als schwierig erweisen würde. Da aber das Konzept an sich ein pädagogisches ist und schon die Erfinder des Konzepts mit starken Vereinfachungen arbeiteten, haben wir uns daran nicht gestört und auf die oben beschriebene Weise versucht, den Fußabdruck zu berechnen. Diese Berechnung war nicht einfach, doch mit Hilfe der Arbeit über der Berliner Fußabdruck, mit der Nutzung von Durchschnittswerten für Aspekte, in denen die HelgoländerInnnen nicht vom Durchschnitt abweichen und mit einigen gezielten Fragen für die Erhebung vor Ort konnte ein Ergebnis errechnet werden. Verglichen mit dem Fußabdruck eines Durchschnitts-Berliners bzw. eines Durchschnitts-Deutschen erscheint dieser Wert sehr hoch. Die besondere Lage als Hochseeinsel bedingt die aufwendige Erreichbarkeit und Versorgung.

Die Auswirkungen zukünftiger Projekte wie das neue Stromkabel oder ein Ausbau der Insel wurden betrachtet und es wurden Möglichkeiten genannt, wie jeder Mensch den eigenen Ressourcenverbrauch nachhaltiger gestalten kann.

Es bleibt zu hoffen, dass das Konzept des ökologischen Fußabdrucks und beispielhaft durchgeführte Berechnungen wie diese dazu beitragen, möglichst vielen Menschen die Bedeutung des nachhaltigen Wirtschaftens näher bringt.